Noch bin ich nicht ganz.
Ich liege in Teilen da: eine goldene Brötchenhälfte, daneben das Fleisch, das in der Pfanne brutzelt. Zwiebeln karamellisieren, der Käse beginnt zu schmelzen, und eine Gurkenscheibe wartet auf ihren Platz. Der Duft von Butter, Rauch und Salz erfüllt die Luft. Mit jeder Schicht, die auf mich gelegt wird, komme ich ein Stück mehr zu mir selbst.
Und dann bin ich da. Warm, rund, vollständig. Ein Goldie’s Burger, geboren in der sechsten Etage des KaDeWe.
Um mich herum rauscht das Leben: Stimmen, Teller, Besteck, Schritte. Ich liege da und spüre, wie ich angestarrt werde, voller Lust. Ein Gast sieht mich, zeigt auf mich, lächelt: „Den da, bitte.“
Ein Moment Stolz, ein Hauch Nervosität. Ich werde auf einem Teller platziert, begleitet von Pommes und einem Glas Cola. Jetzt bin ich bereit.
Mein eigener Duft steigt mir in die Nase, kräftig, rauchig, mit einem süßen Unterton. Der Gast hebt mich an. Seine Hände sind warm, erwartungsvoll. Ich spüre seinen Hunger. Dann kommt der erste Biss.
Ein Riss, ein Druck.
Ich werde geteilt, gekaut, geschmeckt und doch fühlt es sich richtig an.
Der Käse schmilzt, das Fleisch entfaltet sein Aroma, die Zwiebeln knistern noch ein letztes Mal. Für einen Moment bin ich nichts als Geschmack. Der Gast schließt die Augen, und ich weiß: Ich erfülle meinen Sinn. Ich schmecke. Ich lebe.
Mit jedem weiteren Bissen werde ich kleiner, aber nicht weniger. Ich verschwinde, doch in jedem Stück, das gegessen wird, geht etwas von mir über. Ich werde zu Energie, vielleicht sogar zu Freude.
Ich habe keine Angst.
Viele glauben, Dinge hätten keine Seele. Doch in mir steckt so viel mehr als Brot und Fleisch. Ich bin entstanden aus Arbeit und Zeit, aus Händen, die mich formten. Vielleicht, denke ich, sind wir alle nur kurz sichtbar. Und danach verändern wir bloß unsere Form.
Der letzte Bissen verschwindet. Der Teller ist leer. Ich bin nicht mehr da, und doch überall: in einem zufriedenen Magen, in einem warmen Gefühl, in einem stillen Moment des Genusses.
Ich war ein Burger im KaDeWe.
Und vielleicht bin ich jetzt etwas Größeres geworden.
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